Kann unser Kind später selbst Kinder haben?

Autor: Dr. med. habil. Gesche Tallen, erstellt am: 25.08.2009, Redaktion: Maria Yiallouros, Freigabe: Prof. Dr. med. Ursula Creutzig, Zuletzt geändert: 13.05.2020

Diese Frage stellt sich bei allen Kindern, Jungen und Mädchen, denn sowohl die Chemotherapie als auch die Strahlentherapie können sich langfristig nachteilig auf die Fruchtbarkeit beziehungsweise die Zeugungsfähigkeit auswirken.

So haben einige der Zytostatika, die bei der Behandlung einer Krebserkrankung eingesetzt werden, eine schädigende Wirkung auf Spermien und Eizellen. Eine Standard-Chemotherapie hat zwar selten langfristige Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit. Bei manchen Patienten kann es allerdings Monate und manchmal sogar Jahre dauern, bis die Keimdrüsen der Fortpflanzungsorgane nach Abschluss der Behandlung wieder ihre normale Funktion aufnehmen.

Eine Stammzelltransplantation ist dagegen aufgrund der vorausgehenden intensiven Chemotherapie (Hochdosis-Chemotherapie) und zum Teil Ganzkörperbestrahlung meist mit einer bleibenden Unfruchtbarkeit verbunden.

Generell sind die Keimzellen von Jungen gefährdeter als die von Mädchen. Dies hängt damit zusammen, dass bei Mädchen bereits bei Geburt alle Eizellen vorhanden sind und sich nicht mehr teilen, während bei Jungen die Spermien mit Eintritt der Pubertät ständig neu produziert werden und dadurch empfindlicher auf äußere Einflüsse reagieren. Prinzipiell scheinen Chemo- wie auch ‎Strahlentherapie vor Eintritt der Pubertät weniger schädigend zu sein als nach Eintritt der Pubertät. Letztlich lässt sich jedoch im Einzelfall keine Vorhersage treffen, ob ein Patient unfruchtbar wird oder nicht.

Gut zu wissen:

Für Jungen nach Eintritt der Pubertät besteht unter Umständen vor Therapiebeginn die Möglichkeit, Spermien zu sammeln und einzufrieren (so genannte Kryokonservierung).

Auch für weibliche Patienten im fortpflanzungsfähigen Alter haben sich in den letzten Jahren neue Möglichkeiten eröffnet, die Fruchtbarkeit zu erhalten beziehungsweise Schwangerschaften nach Abschluss einer Chemo- oder Strahlentherapie zu ermöglichen.

Für Kinder vor Eintritt der Pubertät stehen zurzeit noch keine geeigneten Maßnahmen zur Erhaltung der Fruchtbarkeit zur Verfügung, verschieden Methoden werden experimentell im Rahmen von Studien erprobt. Der behandelnde Arzt kann Sie über die vor Ort verfügbaren Möglichkeiten und Ansprechpartner informieren.


Bitte beachten Sie jedoch, dass manchmal aufgrund eines erforderlichen raschen Therapiebeginns keine Zeit für fruchtbarkeitserhaltende Maßnahmen vor der Behandlung bleibt.

Allgemeine Informationen zu den möglichen Auswirkungen der Krebstherapie auf die Fruchtbarkeit und zu Möglichkeiten der Vorbeugung und Behandlung erhalten Sie in unserer Patienteninformation „Spätfolgen für die Fortpflanzungsorgane“.

Weitere Informationen zu Möglichkeiten der Fruchtbarkeitserhaltung sowie Kontaktadressen finden Sie unter anderem bei FertiPROTEKT, dem Deutschen Netzwerk für fertilitätsprotektive Maßnahmen bei Chemo- und Strahlentherapie. Bitte beachten Sie auch die Broschüren für Jungen und Mädchen, die bei der Berliner Krebsgesellschaft bestellt werden können (hier). Die Broschüren werden auch auf unseren Seiten vorgestellt und zum Download angeboten.