Behandlungskonzepte und -methoden

Autor: Dr. med. Gesche Tallen, Freigabe: Prof. Dr. med. U. Creutzig, Zuletzt geändert: 15.02.2017

Es gibt viele verschiedene Blutkrankheiten bei Kindern und Jugendlichen und deshalb auch viele verschiedene Behandlungen. Ausführliche Informationen zu diesen verschiedenen Therapien erhalten Sie auf unseren Seiten zu den jeweiligen "Erkrankungen". Wir möchten auf dieser Seite jedoch kurz die grundlegenden Ziele und Methoden der Behandlung vorstellen.

Behandlung der Erkrankungsursache (kausale/kurative Therapie)

Bei manchen Blutkrankheiten kann die Ursache der Krankheit durch eine gezielte Behandlung behoben werden. Beispielsweise werden Kinder und Jugendliche mit der weltweit häufigsten Form der Blutarmut, der Eisenmangelanämie, gesund, nachdem sie ausreichend Eisen zu sich genommen haben. Man spricht von einer Behandlung, mit der die Ursache einer Krankheit bekämpft und der Patient geheilt werden kann, als einer so genannten kausalen beziehungsweise kurativen Therapie.

Vorbeugung von gesundheitlichen Problemen

Es gibt Blutkrankheiten, für die noch keine Behandlungmöglichkeit gefunden wurde, durch die die Erkrankungsursache behoben werden kann. Das bedeutet, dass die Betroffenen mit der Krankheit leben müssen. Häufig betrifft diese Situation die Kinder und Jugendlichen mit den angeborenen Blutkrankheiten. Hier ist eines der Hauptziele der Behandlung, diesen jungen Menschen einen normalen Alltag zu ermöglichen beziehungsweise zu einer Lebensqualität beizutragen, die mit der gesunder Gleichaltriger so annähernd wie möglich vergleichbar ist. Demzufolge besteht die Behandlung in der Regel zunächst aus einer Grundversorgung mit Maßnahmen zur Vorbeugung von verschiedenen gesundheitlichen Problemen, die mit der Krankheit einhergehen können. Zu diesen unterstützenden Maßnahmen können neben allgemeinem Hygieneverhalten beispielsweise, je nach Art der Blutkrankheit, die Einnahme von Antibiotika und der Erhalt von Impfungen zur Vorbeugung von Infektion en gehören. Auch die Besuche beim Kinderarzt zu den Vorsorgeuntersuchungen gehören zu einer effektiven Grundversorgung.

Behandlung von gesundheitlichen Problemen (symptomatische Therapie)

Zu den gesundheitlichen Problemen, von denen Kinder und Jugendliche mit Blutkrankheiten regelmäßig betroffen sind, gehören beispielsweise:

  • Blutarmut (durch Mangel an roten Blutzellen)
  • Infektionen (durch Mangel an weißen Blutzellen)
  • Blutungen (durch Mangel an Blutplättchen und/oder Gerinnungsfaktoren)
  • Schmerzen (z. B. im Rahmen einer Sichelzellkrise)

Diese Folgen einer Blutkrankheit können bei manchen Patienten so schwere Verläufe zeigen, dass eine Behandlung in der Klinik, manchmal sogar auf der Intensivstation notwendig ist. Folgende Behandlungen werden bei den verschiedenen gesundheitlichen Problemen von Kindern und Jugendlichen mit Blutkrankheiten regelmäßig durchgeführt:

  • bei Blutarmut: Blut-Transfusionen
  • bei Infektionen: Gabe von Antibiotika, fiebersenkende Maßnahmen, Flüssigkeitszufuhr
  • bei Blutungen: Gabe von Gerinnungsfaktoren, Gabe von Transfusionen,Gabe von Blutplättchen, Gabe von Glukokortikoiden
  • bei Schmerzkrisen: Gabe von Schmerzmitteln, Flüssigkeitszufuhr, Bluttransfusionen

Manche Komplikationen einer Bluterkrankung können auch durch eine Operation erfolgreich behandelt werden. Operationen, die bei einigen Kindern und Jugendlichen mit einer Blutkrankheit durchgeführt werden, sind beispielsweise die Entfernung der Milz von Patienten mit bestimmten Formen der Sichelzellkrankheit oder die Entfernung der Gallenblase bei manchen Patienten mit einer Kugelzellenanämie.

Weitere Behandlungsmethoden

Neuere Therapieformen wie zum Beispiel der Einsatz von Hydroxyharnstoff bei manchen Patienten mit Sichelzellkrankheit oder von Granulozyten-Kolonien-stimulierendem Faktor (G-CSF) bei Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Formen der Neutropenie zeigen bereits vielversprechende Ergebnisse. Bei manchen Patienten kann auch eine Stammzelltransplantation angezeigt sein.

Stammzelltransplantation

Eine Stammzelltransplantation (SZT) kann bei manchen Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Blutkrankheiten in Erwägung gezogen werden, wenn ihre Erkrankung auf andere Behandlungen nicht anspricht. Bei einer SZT werden dem Patienten in Form einer Bluttransfusion über eine große Vene Stammzellen der Blutbildung verabreicht, die zuvor dem Knochenmark eines gesunden Spenders entnommen wurden, dessen Blut in den meisten Merkmalen mit dem des Patienten übereinstimmt. Vor dieser SZT wird das Knochenmark des Erkrankten, in dem die kranken Blutzellen gebildet werden, durch eine Chemotherapie oder eine Strahlentherapie zerstört, damit das gesunde Spendermark dieses ersetzen und nach einer gewissen Zeit neue, normale Blutzellen bilden kann. Ausführliche Informationen zur Stammzelltransplantation finden Sie hier.